51/6-10
(September 1995)

Maria und Franco Duval

von Walter Hilbrecht

Entdeckt wurde das singende Geschwisterpaar 1958 in Peter Frankenfelds Fernseh-Talentshow "Toi-toi-toi". Beide waren damals erst 16 bzw. 17 Jahre alt.

Maria und Franco Duval

Ina Maria Duval sang schon vorher im Berliner Mozart-Chor, wirkte in Hörspielen beim Rundfunk mit und nahm außerdem fleißig Ballettunterricht, während ihr Bruder Frank bereits als Zehnjähriger erste Rollen am Theater spielte. Nebenbei hatten die zwei schon immer von einer Schlagerkarriere geträumt. Dieser Traum sollte sich nun erfüllen, denn durch ihren Auftritt in der TV-Sendung wurde die Schallplattenindustrie auf sie aufmerksam.

Aus Ina Maria und Frank wurden Maria NA und Franco Duval und noch im selben Jahr kam die erste schwarze Scheibe auf den Markt. Es war eine deutsche Fassung von "He's got the whole world in his hands", ein Titel, mit dem Laurie London die britischen Charts gestürmt hatte.

Doch die Aufnahme mit den singenden Geschwistern, für die Hans Bradtke den Text schrieb, konnte sich gegen das Original und eine weitere deutsche Version, die von der damals überaus populären Conny gesungen wurde, nicht so recht durchsetzen. Dennoch machten sie sich mit ihrer Debütsingle bundesweit einen guten Namen und weitere Produktionen folgten.

1959 verschaffte ihnen ihr Produzent einen Plattenvertrag bei Polydor und gleich mit ihrer ersten Single auf dem neuen Etikett gelang ihnen der Sprung in die "aktuellen 50". Ein Jahr später wurden sie dazu auserkoren, das Auftaktlied zur Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" zu singen. Dadurch konnten sie ihren Bekanntheitsgrad noch erheblich steigern und bald waren sie das beliebteste Teenager-Duo jener Zeit.

Franco, der auch Klavier und Gitarre spielte, fing schon früh an zu komponieren. So stammten zum Beispiel die Titel "Wenn du einmal traurig bist" und "Das Lied vom Glück" aus seiner Feder. Dabei war es damals, zumindest was den deutschen Markt anbelangt, keineswegs üblich, dass junge Interpreten eigene Kompositionen veröffentlichten. Ein Beweis für die große Begabung des noch nicht einmal zwanzig. jährigen Musikers, mit der er viele Jahre später noch von sich reden machen sollte.

Auch mit ihren gesanglichen Fähigkeiten stellten Maria und Franco Duval seinerzeit eine Ausnahme in der heimischen Schlagerlandschaft dar. Sie beeindruckten durch ihre perfekt harmonierenden Stimmen, ihr musikalisches Feeling, ihren exzellenten Gesang und ihr professionelles Auftreten. Stimmlich sicher und zugleich mit Leichtigkeit und Eleganz trugen sie ihre Schlager vor und verhalfen mit ihrer Interpretation manch blassem Liedchen zu buntem Leben.

Maria, von bezaubernder Anmut, mit langen schwarzen Haaren und der gutaussehende Franco mit seinem jungenhaften Charme, hatten dem Publikum durch ihr attraktives Erscheinungsbild auch optisch etwas zu bieten, und wenn sie dann im Scheinwerferlicht ihre temperamentvolle Show abzogen, fiel es ihnen nicht schwer, die Herzen ihrer Zuhörer im Sturm zu erobern und immer neue begeisterte Anhänger zu finden.

Mit Fleiß und Ausdauer arbeiteten sie an sich und ihrer Karriere und reisten von Auftritt zu Auftritt. Zwischendurch ging es immer wieder ins Plattenstudio, um neue Titel aufzunehmen.

Und doch wollte sich der ganz große Hit nicht für sie einstellen. Ihre Singles waren zwar alle recht gut gelaufen, aber nicht über mittlere Verkaufserfolge hinausgekommen.

Die beiden beschlossen, ihr Glück bei einer anderen Plattenfirma zu versuchen und wechselten 1962 zu Philips: "Gib nicht so an, Chico" hieß ihre erste Scheibe, die dort herauskam. Dabei handelte es sich um das Remake eines älteren US-Titels, der im Original "Let Me Go, Lover" hieß, und den man hier zu einem munteren Twist aufpoliert hatte.

Eigentlich besaß diese Produktion alles, was einen Hit ausmacht, doch das Schlagergeschäft erwies sich wieder als unberechenbar und mehr als ein Achtungserfolg kam nicht dabei heraus. Eine im Anschluss daran veröffentlichte Gesangsversion des Bob-Moore-Hits "Auf Wiedersehen, Marleen" blieb ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Weitere Singles erwiesen sich auch nicht gerade als Volltreffer.

Maria und Franco Duval 2

Nach Rücksprache mit ihrem Produzenten Ernst Verch, fassten beide daraufhin den Entschluss, künftig - zumindest auf Platte - getrennte Wege zu gehen. Eine Idee, von der sich auch die Firma etwas versprach.

Franco hatte bereits 1959 während der Polydor-Zeit eine Solo-Single veröffentlicht und auch seiner Schwester bereitete die Umstellung keine Probleme. Musikalisch gesehen war sie vorher schon einmal "fremdgegangen" und hatte mit der Sängerin Andrea Horn, die einst zu den "Honey-Twins" gehörte und nun als Solistin bei Philips unter Vertrag stand, eine Platte als Maria und Andrea besungen, von der allerdings kaum jemand Notiz genommen hatte.

So kam es, dass es das Schlagerpärchen Maria und Franco von da an nicht mehr gab. Stattdessen brachten "Brüderlein und Schwesterlein" verschiedene Solo-Singles heraus, die jedoch allesamt keine kommerziellen Erfolge waren. Ganz offensichtlich war ein großer Teil ihrer Fangemeinde nicht bereit, die musikalische Trennung zu akzeptieren: Man hatte die beiden immer als Einheit gesehen. Kein Wunder, dass man auf ihre solistischen Ambitionen eher mit Zurückhaltung reagierte.

Franco hatte neben seinen Solo-Projekten noch ein weiteres Eisen im Feuer, indem er als die eine Hälfte der Ricky Boys in Erscheinung trat. Unter diesem Pseudonym hatte Peter Beil bereits zwei erfolgreiche Singles herausgebracht, auf denen er mit sich selbst im Duett sang. Da seine Stimme sehr gut mit der von Franco Duval harmonierte und die Philips ihre Ricky Boys auch optisch präsentieren wollte, ließ man die beiden gemeinsam zwei weitere Platten besingen, die aber nur unter ferner liefen landeten.

Franco zog daraus die Konsequenzen. Er nannte sich wieder Frank und sagte der Schlagerbranche adieu. In der Zwischenzeit hatte er Ballett- und Schauspielunterricht genommen und mit diesem Rüstzeug wechselte er die Bühne, wobei er sich vor allem auf das Musical konzentrierte. 1963 spielte er den Freddy in der Berliner Aufführung von "My Fair Lady". Diese Rolle brachte ihm überschwängliches Lob der Kritik ein und war für ihn der erfolgreiche Auftakt seiner Laufbahn als Schauspieler.

Auch Maria Duval hatte eine Schauspielausbildung absolviert und bereits kleinere Auftritte in Filmen gehabt. In der dreizehnteiligen ZDF-Serie "Alle machen Musik" erhielt sie sogar eine Hauptrolle. Vorrangig versuchte sie aber ihre Solokarriere auf dem musikalischen Sektor weitervoranzutreiben.

1964 war sie mit dem Titel "Als wäre nichts geschehn" bei den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden dabei, der Einzug in die Hitparaden gelang ihr damit jedoch nicht.

Da die aparte Sängerin eine klangvolle Sopranstimme besaß, spielte sie mit dem Gedanken, zur Oper zu gehen. Nach einem Gesangsstudium in London entschied sie sich dann aber, der leichten Muse treu zu bleiben. Sie nahm weiterhin Schallplatten auf und sang nebenher im Kallmann-Chor und bei Botho Lucas.

Vor allem aber machte sie durch die LP "Art Songs" auf sich aufmerksam. Auf dieser Langspielplatte interpretierte sie berühmte Lieder der Klassik und Romantik in moderner Fassung. Das ist heute zwar nichts Besonderes, war damals aber neu und ungewöhnlich.

Daneben entwickelte sie sich zu einer beliebten und gefragten Live-Künstlerin: Mit einem internationalen Repertoire aus Schlager, Musical und Chanson trat sie bei vielen Gala-Shows auf und machte Tourneen im In- und Ausland. Auch in zahlreichen Fernsehsendungen war sie ein gern gesehener Gast.

Frank Duval hatte inzwischen auch die Schauspielerei an den Nagel gehängt, denn er wollte nicht länger nur ein reproduzierender Künstler sein. Er verlegte sich ganz aufs Notenschreiben und hatte sich bald als Komponist und Arrangeur etabliert. 1970 zog er von Berlin nach München und arbeitete zunächst für den Bayerischen Rundfunk. Einige Jahre später komponierte er den Soundtrack für eine Tatort-Folge und das war für ihn der Beginn einer neuen Karriere, denn dadurch bekam er den Auftrag, die Musik für die ZDF-Krimi-Serien "Derrick" und "Der Alte" zu schreiben.

1979 tauchte er zum ersten Mal mit der Instrumentalaufnahme, Todesengel" in den Hitlisten auf. Ein Jahr später hatte er nicht nur als Komponist, sondern auch als Sänger einen Nr.1-Erfolg mit "Angel of Mine". Eine ganze Serie von Hits folgte und die Fernsehmacher rissen sich um ihn.

Während er wohl zum meistbeschäftigten Krimikomponisten avancierte, war seine Schwester immer noch als Sängerin aktiv. 1984, während der Fahrt zu einem Auftritt, kam es zu einem folgenschweren Unfall. Ihr Wagen wurde auf einem unbeschrankten Bahnübergang von einer heranrasenden Lok erfasst und mehrere hundert Meter weit mitgeschleift. Schwerverletzt wurde Maria Duval aus den Trümmern geborgen. Vier Wochen war sie bewusstlos, musste mehrere komplizierte Operationen über sich ergehen lassen und konnte erst nach zwei langen Jahren die Klinik verlassen. Ihre Gesangsstimme aber hatte sie verloren und so beendete dieser schreckliche Unfall ihre Karriere.

Doch Maria gab nicht auf. Sie besann sich darauf, dass sie noch andere künstlerische Fähigkeiten und eine gehörige Portion Kreativität besaß. Etwas, das sie von ihrem Vater, dem Berliner Kunstmaler Wolf Duval, geerbt hatte. Seitdem ist sie als Malerin und Bildhauerin aktiv und erntet mit ihren Bildern, Plastiken und Kunstkeramiken Anerkennung und Erfolg.

Im privaten Bereich ging es ebenfalls aufwärts. Sie fand den Mann ihres Lebens und hat ihn am 2.2.94, ihrem Geburtstag, geheiratet. Inzwischen ist auch ihre Stimme wieder hergestellt. Sollte also ein Produzent mit einem interessanten und passenden Titel auf sie zukommen, so stünde einer Plattenproduktion nichts im Wege...